– Vor – überrascht nicht. - Zwei Bilder: ´VOR´ das erste, ´ERST´ das zweite. – Von der Produktion her, etwa auf gleichem Stand, vielleicht kurz vor der Fertigstellung. Das Bild ´VOR´, ´Erst´darstellend, das Bild ´ERST´, ´Vor´ zum Gegenstand nehmend. Da deckt ein Bild das andere ab, setzt es nicht gleich, sondern hebt es auf. Nur die drei Buchstaben des ersten lassen erkennen, dass dem Bild ein Bild unterliegt, insofern, als die Ränder des ´4- Buchstabenbildes´ ´ERST´ zu erkennen geben während das zweite Bild ´ERST´ (´Vor´darstellend) über den Rand des ´3- Buchstabenbildes´ hinausreicht, dieses völlig verschwinden lässt. ´Vor & Erst´- Resultat? Oder resultiert das Bild ´VOR- ERST´ aus der Ambivalenz von Vorerst und Resultat? – Erst das Resultat? - Oder doch nur vorerst, also kein Resultat? – Diese Fragen stellen sich mir, versuche ich mir das ´Deckungsgleiche´ als Thema in Bildern von Ilse Aberer vor Augen zu führen. – Kaum ist das ´E´am ´E´nde der Wegstrecke erreicht, haben wir mit dem ´E´ am End´e´, das Ende bereits wieder hinter uns und das zurückgelassene Ende geht als Resultat in einen Katalog von Resultaten, alle Szenarien übervölkernd, ein. – Ist das ´Vorerst´ Erreichte, resultierend aus ´Vorerst´ und ´Resultat´, nicht Resultat im Sinne der eingangs zitierten Unter & Übermalung? Ist ´kein Resultat´ nicht die Chance des Bildes gegenüber sehr vielem? – Mir sind nur wenige Arbeiten bekannt, die das ´Resultat´ derart konsequent relativieren wie die neuen Arbeiten von Ilse Aberer. Einschließlich dessen, was die beiden Silben des ´DAVOR´ als Bildhinweise zur Verfügung stellen.

Bleiben wir bei den Buchstaben, die Ilse Aberer ihren Bildern zuteilt, in Rechnung stellt. Es geht nicht darum den Text zu entziffern. Das Resultat, zerlegt in seine Bestandteile, die Buchstaben, ist Bild. Der Prozeß ´nicht Bild´ setzt das Dahinter voraus, das Davor jedoch keineswegs ein Dahinter. Was aber, wenn das ´Dahinter´ Folge einer Übermalung ist, das übermalte Dahinter, das ´Davor-Bild´ des Dahinter ist? Stimmt die Prämisse: Setzte das ´Davor´ dahinter, nicht aber das ´Dahinter´ davor ? Als würde sich das Bild vor den Hintergrund stellen, der das Bild veranlaßt, unter der Gewißheit, dass das, was Bild ist, Blockade gegenüber dem bedeutet, was nie als Bild gedacht ist, nie gedacht werden kann, weil ein Bild nie zu denken ist, die Blockade also als solche aufrechtzuhalten ist, eine Möglichkeit darstellt, das Fenster keineswegs als Transportmittel einzusetzen, sondern als etwas, gegen das man wie gegen eine Wand anrennt, Fabrikation wie Papier und nicht Maschine wie jeder Buchstabe. – Ohne die klassische Rollenverteilung des ´DAVOR´, des ´DAHINTER´ weiter strapazieren zu wollen, wird sich das, was Bild zu sein vorgibt, wie in den Phalanxen von Las Vegas, in ´happy days´ Hockney´scher Prägung stürzen und in Swimmingpools versinken. – Es geht also keinesfalls darum, sich ein Bild zu machen, sich vier Wände auszumalen. – Überzeugt, dass sich bei Ilse Aberer der Versuch lohnt, das Bild in Teilresultate: Bilder zu Bildern, aufzulesen, Verschiebungen und Verlagerungen zu verifizieren um ´Wesentliches – Unwesentliches´, Vordergrund und Hintergrund zuzumuten, ein bezüglich dessen, was als ´gutes Bild´ zu gelten hat, unerlässliches Relativierungsverfahren. – Vor uns Deckblätter, Zeilenspiegel – Zeilen befestigt zwischen Halb und Höhe – Texte gerastert, um ihren Sinn zu zerstreuen, um sich in ihrem doppelten Sinn: BILDTEXT zu erkennen zu geben.

Ingo Springenschmid