O. T. – Papiermache´auf Baumwolle…

Baumwolle: Die Samenhaare der Baumwollpflanze einer in zahllosen Rassen und Kreuzungen aufgelösten, uralten Kulturpflanze aller wärmeren Länder (zwischen 45° nördl. u. 35° südl. Breite); meist einjährige Kräuter- aber auch Sträucher- mit gelappten Blättern, einzeln stehenden, ziemlich großen, weißen oder roten, malvenähnlichen Blüten und walnußgroßen Fruchtkapseln; diese enthalten 6-8 erbsengroße, dicht mit Wolle bekleidete Samen, die bei der Reife in 5 Spalten aufspringen und die Haare herausquellen lassen.

Papiermaché: Den Brei des Tagesgeschehens auslöffeln, als fände das Tagesgeschehen nicht Interesse an einem Löffel aus Papiermaché´, nur um das Geschehen aufzutauen und den Zeitungsbrei auszukosten. Anstatt dessen aber eingefroren für den Rest des Lebens.

Baumwolle und Papiermaché, gleichermaßen das Substantiv der Substrakte Ilse Aberers bildend, inhaltlich zu Deutendes paraphrasierend und dennoch „ Ironie“ und „tiefere Bedeutung“ als Geste vor dem Hintergrund von Bildern zu Verstehen gebend. – Ironie: Eine Horizontale bedeutet „auch“ Horizont, eine Vertikale, nicht unbedingt, aber „auch“ Antipodisches. „Auch“ aber ist nicht nur Spielwiese für Inspiration, sondern, ganz allgemein auch, Kleinteillager für Manipulation. Dem „Anschein“ nach eines: „als ob“, „in etwa“, „als wäre“, eines „sowohl als auch“ – im Geruch dessen, der manipuliert, ein Hauch davon, was manipuliert wird. – So gerät alles dem „Anschein“ nach was gang und gäbe ist. Unter derlei Prämissen scheint es aussichtslos, ein Bild zu konstatieren, im Gegenteil, es wird ausschließlich davon die Rede sein, was zum Anlaß genommen wurde, was ein Bild veranlaßt. Die Wertigkeit „Horizontal“, die Wertigkeit „Vertikal“ bedeutet nicht Inspiration bzw. Manipulation des Einen bzw. des Anderen, sondern bezieht sich darauf, nicht das Innen gegen das Außen, sondern das Außen gegen das Innen abzugrenzen, das heißt, der Bildrahmen hat nicht die Funktion, sich gegen das Außerhalb des Bildes zur Wehr zu setzen, sich abzuheben, sondern Wirklichkeit, das „Außerhalb des Bildes“, einzugrenzen. Ilse Aberers Substrakte – so sehr sind sie Bild – sind alles andere als die Fassung einer Farce. Konsequenz daraus ist, nicht im Sinne von Begrenzungen, Ab- und Ausgrenzungen, den Stab zu brechen und ein Bild für beendet zu erklären, sondern bedeutet, es bedarf nicht eines Rahmens, anstelle dessen aber einer erheblichen Sensibilität für Ränder. – Inspiration und nicht Manipulation, ein Aufdecken von „Ironie“ im Zusammenhang von „tieferer Bedeutung“ – der Ironie Bedeutung. Kennzeichnen und Bezeichnen eines Bildes geschieht hier nicht unter dem Aspekt, ein Bild zu stempeln, sondern das Bezeichnen hat für Ilse Aberer die Funktion eines Indizes gegenüber dem Bild und ist so subtil gsesetzt, daß das Bezeichnen selbst den Charakter „des Bezeichnetseins“ annimmt, eine Art Gitterstruktur, die Synonym weniger für Addition als für „Ziffer“, arab. „sifr“ („leer“, „Chiffre“ und „Zero“ ableitend) ist und insofern – vielleicht im doppelbödigen Sinn von Entfernen – für Lösung steht.

Ingo Springenschmid